Erzählcafés ‚Der Start ins Leben‘

zuhören, sich austauschen, voneinander lernen

Die Erzählcafé-Aktion am 27. Juli 2015 im Gemeindehaus der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Offenburg

Erzählcafé Offenburg, 25.7.2015

Hier einige Zitate vom Erzählcafé ‚Der Start ins Leben‘ in Offenburg:


Erfahrungen heute:
„Früher war es normal und zeitweise auch schick, dass man zur Geburt des Kindes ins Krankenhaus geht und dort eine ganze Weile auch bleibt und sich „verwöhnen“ lässt. Wenn man das nicht konnte war man gesellschaftlich eher weiter unten angesiedelt. Das hat sich nicht wirklich gewandelt, denn wer es sich finanziell leisten kann wird weiterhin eine Hebamme haben (weil man sie vielleicht privat beschäftigen kann) - wem das nicht möglich ist wird in die Klinik müssen. Seltsam.“

„Ich habe die Wahlmöglichkeit bezüglich des Geburtsorts meiner Kinder sehr genossen und im übrigen auch jedesmal neu entschieden. Das bedeutet für mich Freiheit - ein Grundrecht, welches jedem von uns zusteht.“

„Ich habe in der Klinik geboren und hatte das Glück einer 1:1 Betreuung. Ich höre aber immer mehr, dass das längst nicht mehr der Fall ist. Viele Frauen kommen traumatisiert aus der Geburt und brauchen lange, bis sie das Erlebte wieder verarbeitet haben.“

„Meiner Intuition und meiner Kraft (während der Geburt) folgen zu können war sehr beglückend und stärkend für mein ganzes Leben.“

„Ich hatte bei meinem ersten Kind viele Stillprobleme. Meine Hebamme hat mich mehrfach täglich besucht und mit ganz viel Geduld und Ruhe mir geholfen, dass wir stillen durften. Ich bin ihr sehr dankbar und gleichzeitig sicher, dass ich ohne sie nicht gestillt hätte - ich hätte mich als Versagerin gehalten und meinem Kind Fertignahrung gegeben. Davon hätten wir beide psychisch wie physisch nur Nachteile gehabt.“

„Anstatt dass das natürlichste der Welt (Geburt neuen Lebens) allumfassend Unterstützung bekommt, wird auf vielen Ebenen Angst geschürt in unserer Gesellschaft. Es ist unverhältnismäßig.“

„Gerade beim ersten Kind braucht die Familie Ratschläge, das Vertrauen, das Zuhören einer erfahrenen Person. Das hat früher die Großfamilie übernommen. Heute stehen die kleinen Familien oftmals alleine da.“

Geburt mit Hebammenbetreuung:
„Die warmherzige und professionelle Begleitung einer Hebamme macht Lust auf mehr …“

„Hebammen geben den Frauen Vertrauen für die Geburt und Umgang mit den Kindern - das wurde früher in den Familien überliefert. Jetzt sollen die Hebammen abgeschafft werden? Wer übernimmt dann diese wichtige Funktion?“

„Hebammen nehmen den Frauen die Angst vorm Gebären.“

„Ohne Hebammen werden wir eine Gesellschaft, die Schmerzen ausschalten will, damit verlieren wir einen Teil unserer Kraft.“

„Ich habe ein Kind. Würde gerne noch ein zweites bekommen. Aber ich kann mir nicht vorstellen im Wochenbett zu Ärzten zu gehen, wenn ich einen Rat brauche.“

„Hebammen sind Hüterinnen der Normalität.“

„Eine Hebamme stellt die Brücke zwischen natürlicher Geburt und medizinischer Notwendigkeit - und zwar in sinnvoller Weise.“

„Hebammenarbeit ist u.a. Seelensorgenarbeit, auch weil schwangere Frauen hochsensibilisiert sind.“

„Meine Hebamme hat es sich zur Aufgabe gemacht, aus jeder Frau und werdenden Mutter ihre eigene Hebamme zu machen, die stolz auf sich sein kann.“
 

Vorschläge für eine bessere Geburtskultur:
„Jeder einzelne der Gesellschaft muss wieder mehr lernen Eigenverantwortung zu übernehmen.“

„Kunst und Kultur wird stark gefördert. Die Kulturen des natürlichen Gebärens muss auch was wert sein:“

„Geburtshäuser sind eine Alternative zu Krankenhäusern, weil Frau dort entscheiden kann - unabhängig - was das Beste für sie ist.“

„Hebammen sollten im Sexualkundeunterricht der Schulen einbezogen werden - regelmäßig!“

„Hebammen sind Frauen für Frauen. Sie in der Gesellschaft zu halten und zu unterstützen hat oberste Priorität, denn sie sichern und stärken auch unter anderem auch das Vertrauen der Frauen in sich selbst.“

Die Bilder aus dem Erzählcafé in Offenburg wurden ohne Honorar vom Fotografen Peter Fritsch gemacht.
Vielen Dank dafür!