Die Erzählcafé-Aktion

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Idas Geburtstagskuchen

Von Kathrin, Dez. 2020

Es ist der 9. März 2020 – ich bin schwanger mit meinem dritten Kind und eigentlich sollte ich mittags zum CTG in die Hebammenpraxis kommen, da ich mittlerweile 5 Tage über den ausgerechneten Entbindungstermin gegangen war. Seit den frühen Morgenstunden hatte ich einige unregelmäßige aber durchaus kraftvolle Wehen und es war mir schnell klar, dass heute wohl Idas Geburtstag sein wird. Ich begann nach Rücksprache mit meiner Hebamme Lisa, lieber einen Geburtstagskuchen zu backen anstatt nach Bonn zu fahren und es ging mir sehr gut mit dem Gedanken zu Hause bleiben zu dürfen. Die ganzen nächsten Stunden vergingen wie im Flug und absolut entspannt – Lisa machte ihre Hausbesuche, wir telefonierten ein paar mal und ich hatte ein gutes Gefühl. Alles war organisiert, ich musste nicht überlegen wann der richtige Zeitpunkt ist um in die Klinik zu fahren.

Meine beste Freundin trifft am Vormittag ein um sich um die großen Brüder kümmern zu können, damit mein Mann und ich den Kopf frei haben für die Geburt. Wir essen zusammen zu Mittag und ich merke gar nicht, dass die Wehen bereits alle fünf Minuten kommen und viel länger dauern als bisher.

Ich fühle mich so wohl in meinem Zuhause.

Ich gehe zum Entspannen in die Badewanne und mein Mann holt die Kinder aus der KiTa. Sie begrüßen mich, staunen über das laute Veratmen der Wehen und gehen voller Vorfreude und doch unbeeindruckt auf den Spielplatz. Geburt scheint etwas Normales zu sein

Das  lässt mich entspannen und so langsam wünsche ich mir Lisa an meine Seite.

Sie kommt gegen 15.30 Uhr als die Wehen bereits kräftig und schmerzhaft sind. Ihre Anwesenheit, das warme nasse Handtuch, das sie immer wieder neu auf meinem Rücken legt, das gemeinsame Tönen in der Wehe, die Wasserflasche die sie mir reicht…es ist Teamwork ohne ein Wort zu reden.

Wunderbar!

Sie untersucht mich, da die Geburt sich doch etwas hinzieht. Der Muttermund ist 8cm geöffnet und ich bin wahnsinnig glücklich schon fast am Ziel zu sein. Schlagartig wird mir klar, dass Ida in absehbarer Zeit in unserer Badewanne auf die Welt kommen wird und ich bin tief berührt von diesem Ereignis der Hausgeburt die ich mir diesmal so sehr gewünscht hatte.

Bis der restliche Muttermund verschwindet sind doch noch einige wirklich schmerzhafte Wehen und ein wenig Hilfe von Lisa nötig aber dann geht es ganz schnell:

Um 17.24 Uhr ist es soweit – Ida wird in einer überwältigenden Wehe geboren. Wie ihr großer Bruder Hannes: als Sternengucker. Im gleichen Moment kommt Henri (4) ins Bad und seine Augen leuchteten als er seine Schwester sieht. Kurz danach kommt auch Hannes (2) und die Familie ist in Idas ersten Lebensminuten schon vereint.

Was ist das bloß für ein unbeschreiblicher Moment… Ida begrüßt die Welt lautstark und so können selbst die Nachbarn an ihrem ersten Schrei teilhaben und sind sehr gerührt.

Die Plazenta ist geboren und Lisa hilft mir mich zu Duschen, beim aus der Wanne steigen und Abtrocknen… Wie wertvoll ihre Arbeit ist, wird mir in diesem verletzlichen Moment sehr bewusst.

Im eigenen Bett liegend, mit meinem Mann und den Kindern an meiner Seite, wurde Idas Nabelschnur durch Henri getrennt. Das war sein großer Wunsch und er erzählt noch oft und sehr stolz davon. Gemeinsam wird das Wunderwerk Plazenta neugierig inspiziert…

Dominik, mein Mann, der zuerst etwas besorgt der Hausgeburt entgegengeblickte, erzählt nun begeistert von diesem Erlebnis und auch ich bin noch viele Monate nach dieser dritten Geburt berührt, dankbar, stolz und demütig wenn ich an diese Stunden zurückdenke. Dieses Erlebnis wird für immer ein ganz ganz Besonderes bleiben.

Danke Ida, dass wir das zusammen geschafft haben, dass ich dich aus eigener Kraft gebären durfte.

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